Mittwoch, 28. November 2018

Japan Book Year; Part 11 - Die Gemeinschaft über alles...

oder: Kein schönerer Ort Mainichi Yoshimura 


Ich weiß, ich erwähne es in letzter Zeit öfter, aber die Zeit verfliegt so schnell... Vor einem Jahr wurde die Idee zu Japan Book Year geboren und nun schreibe ich schon denn 11 Post dazu... Ganz verrückt! 
Heute stelle ich euch das Novemberbuch vor :) 
Um was gehts? 
Das Haus hatte einen kleinen Garten. Mit diesem unscheinbaren Satz beginnt das Buch, eine Erzählung aus der Perspektive eines kleinen Mädchens, einer 11jährigen Grundschülerin. Aber die Unscheinbarkeit verliert sich schnell, der Leser ahnt schon nach wenigen Seiten, dass es um etwas Außergewöhnliches geht. Nicht um den Garten und das Haus, in dem das Mädchen allein mit ihrer strengen, von einem Rein-lichkeitswahn besessenen Mutter zusammenlebt, nicht um die Nach-barn, von denen die Mutter sich abschottet, nicht um die Einsamkeit des Mädchens in der Schule. Eine Reihe eher merkwürdiger häuslicher und schulischer Ereignisse, vorgetragen aus der unschuldigen Sicht-weise des Mädchens, macht bald klar, dass sich in Umizuka, der Stadt am Meer, in der das Mädchen und seine Mutter leben, etwas Ungeheuerliches ereignet hat und dass die Bewohner alles dafür tun, dieses Ungeheuerliche nicht zur Kenntnis zu nehmen...

Meine Meinung:  
Die Geschichte beginnt sehr unscheinbar und unvermittelt. Dennoch wird schnell klar, dass an diesem Ort etwas ganz schlimmes passiert sein muss. Anders kann man sich die Reaktion der Mutter auf das Blumen betrachten ihrer kleinen Tochter nicht erklären... Erst nach einer Weile kommt in einem das Gefühl auf, dass es vielleicht etwas mit einer Atomkatastrophe zu tun haben könnte. Gerade der Umstand, dass nur angedeutet wird, aber nichts konkretes genannt wird, macht dieses Buch faszinierend. Umso beklemmender ist wirken die Bewohner, die nach allem immer noch so tun, als wäre nie etwas gewesen und ihre Produkte als einzig wahre und kostbaren Lebensmittel ansehen. Im Gegensatz dazu steht Kyokos Mutter, die augenscheinlich einen peniblen Putzzwang pflegt und nie frisch kocht. Alles Essen, das gekocht wird, kommt in ihrem Haushalt nur aus Dosen. Um den Schein nach Außen zu wahren, kauft sie dennoch frische Produkte, die sie jedoch spendet. Die ungenannte Katastrophe hat die Bewohner der Stadt sehr zusammen geschweißt und eben dieser Zusammenhalt ist sehr zu bewundern. Dennoch zieht dieser Zusammenhalt auch abnormale Kreise, da jeder, der sich gegen die Gemeinschaft oder auch nur den kleinsten Zweifel an der Perfektion dieses Ortes äußert, von der Polizei abgeführt wird. Mit der Zeit sterben auch immer mehr Kinder aus Kyokos Schule an ungeklärten Krankheiten. Man ahnt einfach, welche Katastrophe das sein könnte.

Es hat etwas gedauert bis ich in die Geschichte rein kam. Aber mit der Zeit kam ich gut ins Geschehen und konnte mich innerhalb der Geschichte auch gut orientieren. Das Buch wurde in der typischen leisen Schnörkellosigkeit der Japanischen Literatur geschrieben. Gerade diese Schnörkellosigkeit passt perfekt in die Geschichte hinein. Am Ende ließ mich das Buch mit einigen Fragen zurück, die ich gerne beantwortet gehabt hätte...

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